Geburtshilfe

Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung

Die Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung (MuVo) beginnt mit der Feststellung einer Schwangerschaft bei Kinderwunsch. Dies geschieht meistens durch eine gynäkologische Untersuchung in Verbindung mit einer Ultraschalluntersuchung. Auf Wunsch der Patientin kann auch ein hochsensibler Schwangerschaftstest aus dem Serum des Blutes der Patientin gemacht werden, welcher schon bei dem Vorhandensein geringster Mengen des Schwangerschaftshormons HCG eine positive Reaktion anzeigt.{1} So kann eine Schwangerschaft teilweise schon Tage vor dem Ausbleiben der Regelblutung (= Menses) serologisch festgestellt werden.
Wurde eine Schwangerschaft festgestellt erfolgt eine Blutentnahme nach den Mutterschaftsrichtlinien. Dies beinhaltet die Blutgruppenbestimmung, Nachweis von Blutgruppen-Antikörpern, Hämoglobinkontrollen, Röteltiter-Kontrolle, die Kontrolle auf Antikörper von Geschlechtskrankheiten (Syphilis = Lues, ggf. AIDS) und auf Wunsch auch Hepatitis C, Toxoplasmose und/oder Listeriose{1}. Des Weiteren werden Urinkontrollen, Gewichtskontrollen, Blutdruckmessungen, Scheidenabstriche, Wehendruckmessungen, ggf. mit Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und auf Wunsch Blutuntersuchung zum Ausschluss einer Zuckerkrankheit{1} durchgeführt. Einige Tage später kann die Patientin den Mutterschaftsausweis in Empfang nehmen. Auf Wunsch wird auch eine zusätzliche Bescheinigung für das Vorliegen einer intakten Schwangerschaft für den Arbeitgeber ausgestellt.{1}
Ultraschalluntersuchungen sind dreimal während der Schwangerschaft vorgeschrieben (8+1 – 12+0 SSW, 18+1 – 22+0 SSW und 28+1 – 32+0 SSW){2}. Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen können medizinisch begründet in der Arztpraxis oder in speziellen Einrichtungen zur Ultraschallfeindiagnostik durchgeführt werden. Auf Wunsch sind weiter Ultraschalluntersuchungen zu jeder Zeit der Schwangerschaft möglich („Baby – Kino“, 3D – Ultraschall){1}, sowie in der Frühschwangerschaft (bis maximal 13+6 SSW) eine spezielle feindiagnostische Untersuchung zur Missbildungssuche = First-Triemester-Screening / Nackentransparenzmessung, ggf. plus Blutunterschung.{1}
Während der Zeit der Schwangerschaft werden Beratungen zur Ernährung, zu Nahrungsergänzungsmitteln, gesunde Lebensweise, ggf. Reisen, Sexualverhalten, Sport und ggf. weiter Fragen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge durchgeführt.
Ebenso erfolgt eine Beratung bei Berufstätigkeit zu bestimmten Einschränkungen der Schwangeren in der Erbringung bestimmter Leistungen lt. Mutterschutzgesetz. So kann es sein, das eine gesunde, schwangere Frau von ihrem Arbeitgeber von der Arbeit durch ein Beschäftigungsverbot freigestellt werden muss, wenn die Tätigkeit der Schwangeren nicht mit den Richtlinien des Mutterschutzgesetzes vereinbar ist und keine entsprechende Tätigkeit durch den Arbeitgeber bereitgestellt werden kann. In Ausnahmefällen kann auch der Arzt ein Beschäftigungsverbot aussprechen, wenn durch die Weiterbeschäftigung der Frau Gesundheit oder Leben der Frau und/oder des Kindes bedroht sind.
Die Mutterschaftsvorsorgeuntersuchungen werden bis zur 30. SSW alle 4 Wochen, dann alle 2 Wochen durchgeführt. Bei Risiken und dem Verdacht auf Störungen der Schwangerschafsentwicklung und Verdacht auf Übertragung der Schwangerschaft (ab 40. SSW) werden die Untersuchungen häufiger erfolgen.
Nach der Geburt des Kindes erfolgen Untersuchungen der Wöchnerin in der ersten Woche und in der 6. – 8. Woche nach der Entbindung. Unter Umständen ist es möglich der stillenden Wöchnerin Hilfsmittel zum Entleeren der Brust (Milchpumpe und Zubehör) oder andere Hilfsmittel zu verordnen. Ebenso erfolgt eine Beratung zur Kontrazeption und zur Sexualität der Wöchnerin.
In Vorbereitung auf die Geburt des Kindes, sollte die Betreuung der Schwangeren durch eine Hebamme miterfolgen. Die Hebammen bieten Kurse zur Geburtsvorbereitung an, Hebammen, die Belegbetten im Kreißsaal einer Klinik haben, werden die Schwangere auch entbinden und betreuen die Wöchnerin nach der Geburt des Kindes in den ersten Wochen auch weiter zu Fragen des Stillens und der Säuglingspflege.

Liebe Schwangere, an dieser Stelle sei mir ein ganz persönliches Wort gestattet. Eine Schwangerschaft und auch die Geburt ist die natürlichste Sache der Welt! Der einzige Sinn des Lebens ist das Leben selbst und die Erhaltung der eigenen Art. In den meisten Fällen sind ein unkomplizierter Schwangerschaftsverlauf und eine unkomplizierte Geburt des Kindes zu erwarten. Dennoch kann jede Schwangerschaft und jede Geburt binnen kürzester Zeit, manchmal in Minuten, problematisch und sogar lebensbedrohlich für Mutter und Kind werden. Deshalb sollten Sie alle Möglichkeiten der modernen Mutterschaftsvorsorge in der Arztpraxis, der Betreuung durch eine Hebamme ihres Vertrauens und den Möglichkeiten eines perfekt ausgestatteten Kreißsaales in einer modernen Frauenklinik nutzen. Eine freundliche, individuelle und kompetente Betreuung garantiert den besten Start ihres lang ersehnten Kindes ins Leben. Wollen Sie immer das Beste für Ihr Kind, dann beginnen Sie mit der Geburt damit.


{1} IGeL = Individuelle Gesundheitsleistung, von gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt
{2} SSW = Schwangerschaftswochen